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NEPHROLOGIE


Anämie in der Nierentherapie

Eisen ist ein essentieller Nährstoff, den jede menschliche Zelle benötigt. Er spielt eine wertvolle Rolle beim Transport und bei der Speicherung von Sauerstoff, beim oxidativen Stoffwechsel sowie beim Zellwachstum und bei der Zellvermehrung. Der wichtigste Nutzen von Eisen ist die Produktion von Hämoglobin und Myoglobin. Eisen ist sehr reaktionsfreudig und wird für zahlreiche metabolische Prozesse benötigt. Es kann jedoch potentiell auch schädlich sein. Eisen kann an verschiedenen Reaktionen mitwirken, die möglicherweise freie Radikale entstehen lassen, welche die Zellen schädigen können. Aus diesem Grund sind sowohl ein Eisenmangel als auch eine Eisenüberladung klinisch signifikant. Wenn zu wenig Eisen verfügbar ist, kann der Mangel an eisenhaltigen Verbindungen schädliche Auswirkungen auf Zellen und Gewebe haben. Sammelt sich Eisen an, führt die Toxizität möglicherweise zu Organschäden und zum Tod.

Eisenmangel ist die häufigste Mangelkrankheit der Welt. Sie betrifft über 1 Milliarde Menschen, etwa 700 Millionen Menschen leiden an Eisenmangelanämie. Ein absoluter Eisenmangel tritt auf, wenn nicht genug Eisen zur Verfügung steht, um den Bedarf des Körpers zu decken. Dieser Mangel kann auf eine unzureichende Eisenaufnahme, eine verminderte Bioverfügbarkeit von Nahrungseisen, einen erhöhten Eisenverbrauch oder einen chronischen Blutverlust zurückzuführen sein. Ein länger andauernder Eisenmangel führt zu einer Eisenmangelanämie, d. h. zu einer mikrozytären, hypochromen Anämie mit entleerten Eisenspeichern. (1)

Im Zusammenhang mit der rekombinanten Erythropoietintherapie wurde auch ein funktioneller Eisenmangel beschrieben. Er gilt als die häufigste Ursache für ein schlechtes Ansprechen auf die Erythropoietintherapie. Ein funktioneller Eisenmangel wird als ein Zustand definiert, in dem das Eisen nicht schnell genug verfügbar gemacht werden kann, um den Bedarf des Knochenmarks für die Erythropoese zu decken, obgleich die Eisenspeicher des Körpers ausreichend gefüllt sind. In diesen Fällen kann die Ferritinkonzentration normal oder erhöht sein, die Eisenversorgung des Erythrons ist jedoch eingeschränkt, was sich in einer niedrigen Transferrinsättigung und einer erhöhten Zahl an mikrozytären, hypochromen Erythrozyten zeigt. (1)

Folgende Merkmale sind für einen funktionellen Eisenmangel typisch:

_Inadäquate Reaktion des Hämoglobins (Hb) auf Erythropoietin
_Serum-Ferritin normal oder hoch
_Transferrinsättigung (Tf-Sat) in der Regel <20 %
_MCV (Mean Corpuscular Volume)-Wert oder MCHC (Mean Corpuscular
  Hemoglobin Concentration)-Wert in schweren Fällen niedrig
 
Die differentialdiagnostische Unterscheidung zwischen funktionellem und absolutem Eisenmangel ist von wesentlicher Bedeutung, um die Eisenwerte von Patienten mit chronischem Nierenversagen unter Hämodialyse zu verstehen.

Eisenmangelanämie ist ein ernstes Problem der öffentlichen Gesundheit, das alle Aspekte des Lebens und der gesellschaftlichen Aktivität beeinflussen kann. Viele Patienten können mit oral einzunehmenden Eisenpräparaten behandelt werden. Es gibt jedoch auch Patienten, bei denen Eisen in dieser Form kein adäquates Mittel zur Behandlung des Eisenmangels darstellt. Unter diesen klinischen Umständen ist eine intravenöse Eisentherapie vorzuziehen. Venofer® (Eisen-Saccharose-Injektionslösung, USP) stellt eine Alternative zur oralen oder sonstigen parenteralen Eisentherapie dar.  

Eisenmangel bei chronischer Nierenerkrankung
Die National Kidney Foundation-Dialysis Outcomes Quality Initiative (NKF-DOQI) gibt Empfehlungen für klinische Best Practices zur Behandlung von Anämie bei chronischem Nierenversagen heraus. Die Anämiearbeitsgruppe der NKF-DOQI prüfte 2.836 Publikationen, zitierte 349 Publikationen und entwickelte 28 Richtlinien für die klinische Praxis zum Umgang mit Erythropoietin und Eisen bei Anämie. (2) Diese Richtlinien sind bei Patienten mit chronischem Nierenversagen zum Behandlungsstandard geworden.

Die Januar 2001-Ausgabe des American Journal of Kidney Diseases enthält eine Aktualisierung mit Änderungen der NKF/DOQI. Die DOQI-Initiative zur Entwicklung von Richtlinien für die klinische Praxis wurde erweitert und umfasst jetzt auch chronische Nierenerkrankungen vor dem dialysepflichtigen Stadium, wenn ein frühzeitiges Eingreifen und Präventionsmassnahmen die Notwendigkeit einer Dialyse hinauszögern oder verhindern und die Ergebnisse von Patienten, die das Endstadium des Nierenversagens erreichen, verbessert werden können. Die neue Initiative wurde in Kidney Disease Outcomes Quality Initiative (NKF-K/DOQI) umbenannt. (3)

Bei Patienten mit chronischem Nierenversagen unter Erythropoietinbehandlung sollten in Verbindung mit Eisenmangel und einer Eisenmangeltherapie einige wichtige Punkte bedacht werden:

_Hoher Eisenverlust (Blut), insbesondere bei Hämodialysepatienten

_Oral verabreichte Eisenpräparate können die Eisenspeicher normalerweise nicht.
  ausreichend gefüllt halten, insbesondere bei Hämodialysepatienten, die Erythropoietin
  erhalten.

_Erythropoietin stimuliert die Erythropoese stärker als normal, was häufig zu einem
  funktionellen Eisenmangel führt.

_Die Prävention eines funktionellen und absoluten Eisenmangels durch regelmässige
  intravenöse (i.v.) Verabreichung von Eisen verbessert die Erythropoese.

_Tf-Sat ist der beste Indikator für die Eisenversorgung der Erythropoese. Serum-Ferritin ist der
  beste Indikator für die Gewebeeisenspeicher. Beide Werte sind jedoch nicht ausreichend
  sensitiv und spezifisch. Aus diesem Grund kann anhand eines einzigen Tf-Sat-Wertes nicht
  zuverlässig zwischen einer Erythropoese mit zu geringer und einer Erythropoese mit
  ausreichender Eisenversorgung unterschieden werden; ein einzelner Ferritin-Wert
  ermöglicht keine Unterscheidung zwischen entleerten und gefüllten Eisenspeichern.

Nachfolgend finden Sie eine kurze Zusammenfassung einiger in diesen Richtlinien angesprochener Punkte.

Beurteilung des Eisenstatus
Um einen Eisenmangel auszuschliessen, muss der Eisenstatus beurteilt werden, da es sich bei Eisenmangel um die häufigste Ursache für ein unzureichendes Ansprechen auf eine Erythropoietintherapie handelt (Hb <11,0 g/dL).

_Bei Patienten, die mit Erythropoietin behandelt werden, ist bei Tf-Sat-Werten unter 20 % das
  Risiko hoch, dass der Hb-Spiegel nach der intravenösen Verabreichung von Eisen steigt oder
  die Erythropoietindosis sinkt. Das Erreichen des Ziel-Hämoglobinspiegels   mit optimalen
  Erythropoietindosen ist mit der Verabreichung einer ausreichenden i.v.-Eisendosis zur
  Aufrechterhaltung einer Tf-Sat von über 20 % assoziiert.

_Bei Patienten mit chronischem Nierenersagen und Ferritin-Werten unter 100 ng/mL besteht
  eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Eisenspeicher entleert sind Wenn diese Patienten
  ausserdem einen Tf-Sat-Wert <20 % aufweisen, gilt der Eisenmangel als absolut.

_Bei Patienten mit einer Tf-Sat <20 %, aber einem Ferritin-Wert =100 ng/mL, geht man
  von ausreichend gefüllten Eisenspeichern aus, die jedoch nicht für die Eisenversorgung
  zur Verfügung stehen. In diesem Fall gilt der Eisenmangel als relativ oder funktionell.

_Tf-Sat-Werte =50 % oder Ferritin-Werte =800 ng/mL, selbst bei einer Tf-Sat <20 %,
  werden mit einer Eisenüberladung assoziiert.

Iron graphic

Das Serum-Eisen, die Totale Eisenbindungskapazität und das Serum-Ferritin sind die besten Indikatoren für die Erythropoese und die Eisenspeicher, stellen jedoch keine absoluten Kriterien dar, um entweder einen Eisenmangel oder eine Eisenüberladung festzustellen.  

Eisen-Zielwert
_Der Ziel-Hämoglobinspiegel beträgt 11,0 g/dL bis 12,0 g/dL [Hämatokrit (HCT) ca. 33 % bis 36 %].
_Um den Ziel-Hämoglobinspiegel mit optimalen Erythropoietindosen zu erreichen, muss genug
  Eisen verabreicht werden, um   eine Tf-Sat =20 % und einen Ferritin-Wert =100 ng/mL zu erhalten.
_Eine Eisenüberladung ist zu vermeiden, indem bei Tf-Sat =50 % und/oder Ferritin =800 ng/mL
  kein Eisen verabreicht wird.
_Verabreichung von i.v.-Eisen: periodisch 1 Gramm über verschiedene Dosen verteilt oder als
  Erhaltungsdosis. Die Erhaltungsdosis bezieht sich auf festgelegte i.v.-Eisendosen, die
  wöchentlich, monatlich oder bei jedem Dialysetermin verabreicht werden, um die Eisenwerte
  innerhalb des Zielbereichs zu halten.

Überwachung des Eisenstatus
_Bei Patienten, die mit der Erythropoietintherapie beginnen, monatliche Überwachung
  der Eisenwerte
_Bei Patienten, die den Zielbereich für den Hb-Wert erreicht haben oder eine
  i.v.-Eisentherapie erhalten, Überwachung von Tf-Sat und Ferritin-Werten alle 3 Monate

Verabreichung von zusätzlichem Eisen
Es sollte zusätzliches Eisen gegeben werden, um den Ziel-Hämoglobinwert zu erhalten, während gleichzeitig einem Eisenmangel vorgebeugt wird.

Oral verabreichtes Eisen
_Die tägliche Dosis von oral zu verabreichendem, elementarem Eisen beträgt bei
  Erwachsenen etwa 200 mg.
_Es ist unwahrscheinlich, dass orales Eisen die Zieleisenwerte bei Patienten unter
  Erythropoietinbehandlung halten kann.
_Wenn das orale Eisen zunächst versuchsweise gegeben wird, die Zieleisenwerte aber
  nicht gehalten werden können, ist das oral zu verabreichende Eisenpräparat abzusetzen
  und stattdessen i.v.-Eisen zu verabreichen.  

Intravenös verabreichtes Eisen
_Viele Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz, die Erythropoietin erhalten, benötigen
   intravenös zu verabreichende Eisenpräparate, um die Zieleisenwerte aufrechtzuerhalten.
_Bei den meisten Hämodialysepatienten ist aufgrund des dialyseassoziierten Blutverlusts
  sowie des daraus resultierenden negativen Eisenhaushalts die wiederholte Gabe von
   i.v.-Eisenpräparaten erforderlich.
_Zahlreiche Protokolle zur i.v.-Eisendosierung haben sich bereits als wirksam erwiesen,
  um einen Eisenmangel auszugleichen und zu verhindern.
_Zur Korrektur eines Eisenmangels (Tf-Sat <20 %): Verabreichung von 1 Gramm i.v.-Eisen in
  mehreren Dosen (z. B. 100-mg-Dosis bei 10 aufeinanderfolgenden Dialyseterminen). Der
  Eisenstatus ist neu zu bewerten und die Verabreichung gegebenenfalls zu wiederholen.
_Um Bei Dialysepatienten die Zieleisenwerte einzuhalten, ist wöchentlich, monatlich oder bei
  jeder Dialysesitzung i.v.-Eisen in einer Dosierung zu verabreichen, die ausreicht, um eine
  Tf-Sat =20 % und Ferritin-Werte =100 ng/mL zu erhalten.
_Die Eisengabe ist zu stoppen, wenn die Tf-Sat =50 % und/oder die Ferritin-Werte
  =800 ng/mL betragen.

Die NKF-K/DOQI Anaemia Management Guidelines haben zur Verbesserung der aktuellen klinischen Praxis beigetragen. Es wurden ausserdem Gebiete identifiziert, auf denen noch weitere Untersuchungen erforderlich sind. Es werden prospektive, kontrollierte Studien benötigt, um die vergleichbare Sicherheit von periodischen und Erhaltungsprotokollen für die intravenöse Verabreichung von Eisenpräparaten zu bestimmen sowie das Verhältnis zwischen der Gabe von i.v.-Eisen, dem Körpereisenstatus und dem Infektionsrisiko und einer ischämischen Herzkrankheit zu ermitteln. (4)  


Literatur

(1) Danielson BG, Geisser P, Schneider W [eds]. Iron Therapy with Special Emphasis on Intravenous Administration. Schweiz: Vifor (International) Inc. Herausgeber 1. Auflage. 1996.

(2) NKF-DOQI Clinical Practice Guidelines for the Treatment of Anaemia of Chronic Renal Failure. New York , National Kidney Foundation, 1997;15-32.

(3) National Kidney Foundation. K/DOQI Clinical Practice Guidelines for Anaemia of Chronic Kidney Disease, 2000. Am J Kidney Dis. 2001;37(supp 1):S182-S238.

(4) Van Wyck DB. Lessons from NKF-DOQI: Iron Management. Seminars in Nephrology . 2000;20:330-334.

Wir bedanken uns bei unserem amerikanischen Partner American Regent für die Bereitstellung dieser Ausführungen.